
Robert Sheard
Nach der Veröffentlichung der Low-5-Strategie im Jahr 1991 im Buch „Beating the Dow“ gab es zahlreiche Versuche, die O’Higgins-Strategie zu modifizieren, um damit eine noch höhere Rendite zu erzielen.
Wir wollen Ihnen in diesem Abschnitt einige Strategien von Robert Sheard vorstellen. Er übernahm die O’Higgins-Strategie, modifizierte sie und erzielte damit eine weit höhere Rendite als mit der Low-5-Strategie.
Der Grundgedanke von Robert Sheard war simpel: Er führte in der Low-5 Strategie Gewichtungen ein. Er nahm die 5 mittels der O’Higgins-Strategie ermittelten Aktien nicht 1:1 in seinem Depot auf, sondern gewichtete sie derart, dass er den ihm zur Verfügung stehenden Geldbetrag ungleich auf die Aktien verteilte. Der Grund: Robert Sheard hatte beobachtet, dass die Aktien im Low-5-Depot sich völlig uneinheitlich entwickeln. Er ging deshalb dazu über, diejenigen Aktien im Low-5- Depot geringer zu gewichten, die systematisch und dauerhaft eine geringere Kurs-Performance aufwiesen.
Das Ausgangsdepot von Robert Sheard ist das Low-5-Depot gemäß der O’Higgins-Strategie, d. h. die 5 aus den 10 dividendenträchtigsten Dow- Aktien, die den optisch niedrigsten Aktienkurs aufweisen.
Low-4-Strategie (Motley-Fool-Strategie)
O’Higgins hatte in seinem Buch „Beating the Dow“ die Beobachtung gemacht, dass sich die Dow-Aktie mit dem niedrigsten Kurs aus dem Low-5-Depot sehr schlecht entwickelt. Er äußerte die Vermutung, dass das Unternehmen in einer fundamental sehr schwierigen Lage stecken müsse. Die Aktie des Unternehmens brauche somit länger als 1 Jahr, um sich wieder zu erholen. Im Gegensatz dazu legte die Aktie mit dem zweitniedrigsten Kurs erstaunlich gut zu. Robert Sheard diskutiert deshalb in seinem Buch die Möglichkeit, die Aktie mit dem optisch niedrigsten Aktienkurs vollständig aus dem Depot zu entfernen und dafür die Aktie mit dem zweitniedrigsten Aktienkurs doppelt zu gewichten.
Diese Variante der Low-5-Strategie von O’Higgins war ursprünglich von Motley Fool entwickelt worden. Die folgende Tabelle zeigt die zugrunde liegenden Gewichtungen im Low-5-Depot gemäß der Low-4- Strategie:

Low-2-Strategie
Robert Sheard machte die Beobachtung, dass die Aktie mit dem niedrigsten
Kurs aus dem Low-5-Depot sich nur dann schlecht entwickelt, wenn sie zugleich die höchste Dividendenrendite von allen 10 „Dogs of the Dow“-Aktien besitzt. In einem solchen Fall nimmt er die Aktie überhaupt nicht in sein Depot auf. Dafür kommen die Aktien mit dem zweit- und drittniedrigsten Kurs gleichgewichtet ins Depot.
Wenn aber die Aktie mit dem optisch niedrigsten Kurs nicht die höchste Dividendenrendite aufweist, wird sie gleichgewichtet mit der Aktie mit dem zweitniedrigsten Kurs ins Depot aufgenommen.
Bei dieser Strategie befinden sich demnach immer Aktien von 2 verschiedenen Unternehmen im Depot, die jeweils mit 50% gewichtet werden.

Low-1-Strategie
Bei dieser Strategie wird nur die Aktie mit dem optisch zweitniedrigsten Aktienkurs ins Depot aufgenommen. Dieser Strategie liegt die Beobachtung zugrunde, dass sich die Aktie mit dem optisch zweitniedrigsten Kurs besser als die anderen entwickelt.

Bei allen Strategien wird das Depot jährlich neu zusammengestellt.Robert Sheard unterzog die hier vorgestellten Strategien einem Backtestingund kam zum folgenden Ergebnis:
Performance der modifizierten O’Higgins-Strategien für die Jahre 1971 bis 1996 (in % pro Jahr)
Erläuterungen:
Dow-Jones-30: alle Aktien des Dow Jones
Low-4: die 4 Aktien aus dem Low-5-Depot nach Robert Sheard (diese Strategie wurde früher von Motley Fool vertreten; inzwischen nahm Motley Fool weitere Modifikationen vor)
Low-2: die 2 Aktien nach den Kriterien von R. Sheard
Low-1: die Aktie aus dem Low-5-Depot mit dem zweitniedrigsten Kurs
Wir stellen fest, dass über einen Zeitraum von 26 Jahren die Low-2-Strategie nach Robert Sheard im Vergleich zum Dow-Jones-Index eine annähernd doppelt so gute Performance aufwies. Das darf angesichts des „Wunders der Zinseszinsen“ nicht unterschätzt werden. Wenn Sie im Zeitraum von 1971 bis 1996 Ihr Depot nach der Low-2-Strategie von Robert Sheard jährlich neu zusammengestellt hätten, wäre Ihr Kapital von 10.000 $ auf über 3,9 Mio $ angewachsen. Dagegen hätte eine Anlage in den Dow Jones im gleichen Zeitraum nur 257.026 $ erbracht.
Die hier vorgestellten Strategien übertrumpfen sogar das Low-5-Depot der Strategie von O’Higgins. Das Low-5-Depot nach der O’Higgins-Strategie brachte im Zeitraum 1973 bis 1998 eine Rendite von 20,70% p. a. ein.
Beachten Sie, dass Sie ein höheres Risiko in Kauf nehmen, um diese hohe Rendite von Robert Sheard zu erzielen. Bei der Low-2-Strategie haben Sie Aktien von nur 2 Unternehmen in Ihrem Depot. Sie kennen die Weisheit: „Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb“. Die Dow-Jones- Werte sind zwar fundamental sicher, bieten aber keinen vollständigen Schutz vor Verlusten. Sie erinnern sich: Benjamin Graham, der Begründer der Dow-Strategie, gab den Anlegern den Rat, mindestens 6 Dow-Aktien ins Depot aufzunehmen; auf keinen Fall sollten es weniger sein. Michael O’Higgins reduzierte die Anzahl der Aktien auf 5. Das ist akzeptabel. Die Strategien von Robert Sheard bergen aber ein hohes Risiko.
Die folgende Tabelle listet nochmals die jährlichen Renditen der wichtigsten Strategien im Detail auf. Die Tabelle macht das hohe Risiko der Low-1-Strategie deutlich. Im Jahr 1994 haben Anleger, die ihr Depot jährlich nach dieser Strategie umschichten, einen horrenden Verlust von 37,4% hinnehmen müssen. Damit brach das Depotvermögen um mehr als 1 Drittel ein, während der Dow Jones im Jahr 1994 eine positive Rendite von 4,9% aufwies.

Erläuterungen:
Dow Jones 30: alle Aktien des Dow Jones
10 Dow Dogs: die 10 Aktien aus dem Dow Jones mit der höchsten Dividendenrendite („Dogs of the Dow“)
Low-5: die 5 Aktien aus den 10 Dogs of the Dow mit dem optisch niedrigsten Kurs
Low-1: die Aktie aus dem Low-5-Depot mit dem zweitniedrigsten Kurs
Seien Sie sich der Tatsache bewusst, dass sich die Strategien von Robert Sheard – wenn überhaupt – nur für einen Teil des gesamten Depotvermögens eignen.
Zusammenfassung Robert Sheard
? Wählen Sie die 10 Aktien aus dem Dow Jones mit der höchsten Dividendenrendite.
? Wählen Sie daraus die 5 Aktien mit dem niedrigsten Kurs (O’Higgins-Strategie oder Low-5-Strategie).
? Modifizieren Sie die O’Higgins-Strategie nach den Kriterien von Robert Sheard.
? Low-4-Strategie (Motley Fool)
Entfernen Sie aus dem Low-5-Depot die Aktie mit dem optisch niedrigsten Kurs. Gewichten Sie die Aktie mit dem zweitniedrigsten Kurs mit 40% und alle anderen Aktien mit jeweils 20%.
? Low-2-Strategie
Wenn die Aktie mit dem niedrigsten Kurs auch die höchste Dividendenrendite unter den 10 „Dogs of the Dow“ besitzt, wird sie elimiert. Dann kommen die Aktien mit dem zweit- und drittniedrigsten Kurs gleichgewichtet ins Depot. Ansonsten kommen die Aktien mit dem niedrigsten und dem zweitniedrigsten Kurs gleichgewichtet ins Depot.
? Low-1-Strategie
Die Aktie mit dem zweitniedrigsten Kurs kommt mit einer Gewichtung von 100% ins Depot. Diese Variation stammt ursprünglich von O’Higgins.
? Warten Sie 12 Monate und schichten Sie dann Ihr Depot nach denselben Kriterien wieder um.
? Die Strategien sind einfach und führen zu (Über-)Renditen gegenüber der O’Higgins-Strategie. Allerdings ist das Risiko auch ungleich größer. Legen Sie deshalb – wenn überhaupt – nur einen Teil Ihres Vermögens nach diesen Strategien an.
? Beachten Sie: Das sind langfristige Strategien. Vergangene Erfolge sind keine Garantie für die Zukunft.
„Beating the DAX“
Wie wir im vorhergehenden Abschnitt zeigten, war die O’Higgins-Strategie für den DAX sehr erfolgreich. Wir haben in Anlehnung an die O’Higgins-Strategie für Sie einige interessante Modifikationen getestet.
Zweijährige Anpassung
Bei der ursprünglichen O’Higgins-Strategie erfolgt die Neuordnung des Depots zu Beginn jedes Kalenderjahres. Eine Alternative besteht darin, den Austausch der Aktien im 2-Jahres-Rhythmus vorzunehmen. Da beim 2-Jahres-Rhythmus jeweils 1 Jahr aus der ursprünglichen Strategie nicht berücksichtigt wird, wurde außer einem Portfolio mit ungeraden Einstiegsjahren auch ein Portfolio mit geraden Einstiegsjahren gebildet.
Beide Portfolios wurden der Zeitachse nach übereinander gelegt, um eine gemittelte Renditezahl aus geradem und ungeradem Jahresportfolio zu erhalten.
Die folgende Tabelle beweist, dass die modifizierte O’Higgins-Strategie der ursprünglichen jährlichen Portfolio-Anpassung unterlegen ist:

Vergleich der 2-Jahres-Strategie mit der nicht modifizierten O’Higgins-Strategie
Halbjährliche Anpassung
Wir wollen darüber hinaus die Strategie behandeln, die Aktien im 6-Monats-Rhythmus auszutauschen. Nach einer Studie von General-Cologne Re Capital GmbH ergaben sich über einen Zeitraum von 20 Jahren folgende Resultate:

Vergleich der 6-Monats-Strategie („modifizierte O’Higgins-Strategie“) mit der O’Higgins-Strategie und der Kurs-Performance des DAX für den Zeitraum von Januar 1982 bis September 2001
Wir stellen fest, dass die originale O’Higgins-Strategie bessere Ergebnisse liefert. Demnach besteht kein Anlass, von der ursprünglichen O’Higgins-Strategie abzuweichen und das Depot alle 6 Monate neu zusammenzusetzen. Dabei haben wir noch nicht einmal die Transaktionskosten und Steuern berücksichtigt! Darüber hinaus zeigt uns die Studie, dass bei der 6-Monats-Strategie im Zeitraum 01/1982 bis 09/2001 eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine negative Rendite existierte:

Steuern und Transaktionskosten
Bislang blieben Steuern und Transaktionskosten unberücksichtigt. Die Studie von GeneralCologne Re Capital führte ein Backtesting der O’Higgins-Strategie und 6-Monats-Strategie unter Berücksichtigung von Steuern und Transaktionskosten (0,1% Kosten für den An- und Verkauf sowie 0,1% Market-Impact-Kosten) durch. Bei der Studie unterstellen wir einen Steuersatz von 50% auf Dividenden; Steuern auf Kursgewinne werden nicht berücksichtigt.

Vergleich der 6-Monats-Strategie („modifizierte O’Higgins-Strategie“) mit der O’Higgins-Strategie im Falle der Berücksichtigung von Steuern und Transaktionskosten für den Zeitraum von Januar 1982 bis September 2001
Wir stellen fest, dass sich an den Ergebnissen nicht viel ändert. Die Nettorendite geht um knapp 1 Prozentpunkt zurück (im Vergleich zu den Strategien ohne Steuern und Transaktionskosten).
Zusammenfassung
? Eine zweijährige Anpassung der Aktien im Depot bringt gegenüber der ursprünglichen O’Higgins-Strategie keinen Vorteil.
? Ebenso bringt eine halbjährliche Anpassung der Aktien im Depot keinen Vorteil.
? Steuern und Transaktionskosten ändern nichts an der grundlegenden Feststellung, dass die O’Higgins-Strategie zu deutlichen Überrenditen gegenüber dem DAX führt.
? Beachten Sie: Das ist eine langfristige Strategie. Vergangene Erfolge sind keine Garantie für die Zukunft.

