Portait: Peter Lynch

13 Jahre lang führte er den berühmten Fidelity Magellan Fund. In dieser Zeit erzielte er mit dem Fond eine sagenhafte Rendite von durchschnittlich 29% pro Jahr. Mit diesen Erfolgen machte Lynch die Aktienanlage in den 1980er-Jahren sehr
populär.

 

Vom Caddy zum Fondsmanager

Peter Lynch (1944) aus Boston gehört in die Riege der Wachstumsinvestoren. Bereits während seines Studiums investierte er erfolgreich in Aktien. Er investierte 1.250 $ in das Luftfrachtunternehmen Flying Tiger Line. Durch den Vietnamkrieg wurden alle Frachtmaschinen gebraucht und die Unternehmen erwirtschafteten sehr gute Ergebnisse. Die Aktien stiegen und Lynch hatte einen großen Gewinn. Mit dem Aktiengewinn konnte er sich sein Studium an der Wharton School of Finance finanzieren. Lynch schloss sein Studium 1968 mit dem Master of Business Administration (MBA) ab.

Später ging er nicht an die Wall Street, sondern blieb seiner Heimatstadt treu, weil hier das Zentrum für Aktienfonds war. Er jobbte auf einem Golfplatz als Caddy und lernte dort auch seinen späteren Chef, den damaligen Fidelity-Präsidenten D. George Sullivan kennen. Zunächst bekam Lynch nur einen Sommerjob bei Fidelity. Später, nach seinem Militärdienst, begann er als Wertpapieranalyst für Metallunternehmen. Nach einem Jahr gab man ihm eine Gehaltserhöhung um 1.000 $ auf 17.000 $. Dennoch lehnte Lynch zum damaligen Zeitpunkt ein Angebot eines Brokers von 55.000 $ ab. 1974 wurde er Chef der Fidelity eigenen Researchabteilung. Kurz darauf folgte der Aufstieg in das Investmentkomitee. Schließlich übernahm er 1977, im Alter von nur 33 Jahren, einen damals kleinen Fond, den Magellan Fund.

 

Fidelity Magellan Fund

Der Magellan-Fund wurde schon 1963 gegründet, erlebte jedoch unter Peter Lynch seine Glanzzeit. Er wurde von seinem Gründer nach dem portugiesischen Entdecker benannt.

Von 1977 bis 1990 managte Peter Lynch den Magellan-Fund und erreichte die phantastische Rendite von 29% pro Jahr. Die durchschnittliche Jahresrendite übertraf in diesem Zeitraum den S&P 500 Index um fast das Doppelte. Selbst im Crashjahr von 1987 schaffte Lynch noch ein Plus von 1%. In den 13 Jahren seines Managements wurden aus 10.000 $, die in seinen Fond angelegt waren, 280.000 $. Das verwaltete Vermögen wuchs in diesem Zeitraum von 22 Mio $ auf 12 Mrd $.

Lynch machte den Fond zu dem größten Aktienfond der Welt. Kritiker warnten damals vor der immensen Fondgröße. Lynch wollte nun beweisen, dass auch ein sehr großer Fond den Markt deutlich schlagen kann – und es gelang ihm eindrucksvoll. Das von ihm betreute Anlagevolumen entsprach dem Bruttosozialprodukt von Ecuador. Der Fond war zu Lynchs Zeiten derart berühmt, dass jeder 250ste Amerikaner durchschnittlich 13.000 $ investiert hatte. Zum Schluss vertrauten ihm mehr als eine Million Anleger ihr Geld an.

 

Das plötzliche Ende nach 15.000 Aktien

In seiner Zeit bei Magellan kaufte Lynch die Aktien von über 15.000 Unternehmen. In Spitzenzeiten hielt er gleichzeitig ca. 1.500 verschiedene Aktien, wobei die 100 größten Werte etwa 50% des Portfolios ausmachten. Lynch war ständig in Hektik und schichtete seinen Fond um. Es gab oftmals Aktien, die er nicht einmal für einen Monat hielt. Seine Umschlagsrate betrug häufig über 300% pro Jahr. Das heißt, er wechselt seinen Aktienbestand im Schnitt mehr als dreimal pro Jahr vollständig aus.

Am 31. Mai 1990, als er erst Mitte 40 war, versetzte der Superstar Lynch die Öffentlichkeit in großes Erstaunen. Er beendete seine erfolgreiche Karriere als Investment-Manager und beschränkte sich darauf, hin und wieder öffentliche und gemeinnützige Organisationen bei ihrer Geldanlage zu beraten. Wie er sich selbst ausdrückte, hatte er genug Geld verdient und wollte nun mit seinem Wissen etwas für das Allgemeinwohl unternehmen. Peter Lynch verdiente bei Fidelity bis zu 10 Mio $ pro Jahr.

„Man erinnert sich dann plötzlich daran, dass noch nie jemand auf seinem Sterbebett gesagt hat: Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit im Büro verbracht.“

Lynch hatte es sich auch zum Ziel gemacht, die Aktienanlage für jedermann verständlich in Büchern und auf Konferenzen zu erklären. Heute ist er ein sehr gefragter Referent und Autor zahlreicher Bestseller. Er legt heute das Geld für wohltätige Organisationen ehrenamtlich an.

 

Kombination aus Kunst und Wissenschaft

Lynch nennt seine Methode „Eyes- and Ears-Investing“ womit er sinngemäß meint: Investiere mit Augen und Ohren! Er predigt die einfachen Anlage-Entscheidungen und setzt dabei auf kleinere Wachstumsunternehmen: Small Caps.

Er ist ein klassischer Stockpicker und kümmert sich nicht um die Richtung des Marktes. Er investiert in jedem noch so schwierigen Umfeld, in einzelne, attraktiv bewertete Unternehmen.

„Die Aktienwahl ist sowohl eine Kunst als auch eine Wissenschaft.“

Einige Unternehmen werden von der Bildfläche verschwinden. Andere werden ihren Wert halbieren. Und noch andere werden sich ver10- oder ver30-fachen. Bei dem einzelnen Investment ist das Verlustpotenzial begrenzt, während das Gewinnpotenzial unbegrenzt ist.

Nach Lynch muss man in seiner Investmentkarriere nur wenige Male das Geschick haben, Aktien zu finden, die sich ver10-, ver20- oder ver50fachen. Lynch nennt das Ten-, Twenty- oder Fifty-Baggers. (Bag kommt vom Englischen „Tasche“. Bei einem Twentybagger hat der Anleger nachher das 20fache der Investition in der Tasche.)

„Jeder kann mit Aktien reich werden, wenn er seine Hausaufgaben macht.“

Lynch bevorzugt – wie auch Buffett – die Unternehmen mit Produkten, die einfache Konsumgüter darstellen und die jedermann kennt oder gebrauchen könnte. Er ist fest davon überzeugt, dass sich solche Kaufgelegenheiten in der unmittelbaren Nähe eines jeden Anlegers befinden. Peter Lynch besuchte immer wieder Einkaufszentren und entdeckte dort einige seiner besten Investments (Body-Shop, Wal-Mart, Toys ‚R’ US, Home Depot, Taco Bell etc.).

Viele seiner besten Investments entsprangen dabei dem gesunden Menschenverstand. Jeder kann nach seiner Auffassung im täglichen Leben nach neuen Produkten oder Geschäftskonzepten Ausschau halten und erstklassige Investments herausfiltern.

Natürlich machte Lynch auch viele Fehler, aber er war ständig bemüht, aus diesen Fehlern zu lernen. Er führte über seine Investmentideen Tagebuch.

„Meine Tagebücher sind voll von verpassten Gelegenheiten, aber der Aktienmarkt ist nachsichtig – der Einfaltspinsel erhält immer eine zweite Chance. Fondsmanager und Sportler haben eines gemeinsam: Auf lange Sicht sind sie erfolgreicher, wenn man sie langsam aufpäppelt.“

 

100 Steine, aber nur 10 Ideen

Lynch galt als sehr arbeitssüchtig, er begann seine Arbeitstage regelmäßig um 6 Uhr morgens. In den ersten Jahrzehnten seiner Ehe machte er nur zweimal Urlaub.

Lynch war stets ein Einzelkämpfer, der nur von 2 Mitarbeitern unterstützt wird. Sein Arbeitsstil gilt als äußerst effizient. Die Telefonate mit den Brokern beschränkt er auf exakt 90 Sekunden Länge. Nach genau dieser Zeit ertönt ein Zeichen und Lynch beendet das Gespräch.

Lynch sucht ständig nach neuen Chancen. Hat er ein interessantes Unternehmen gefunden, stürzt er sich sofort auf die gesamte Branche. Er kaufte dann oftmals sofort eine ganze Reihe von Aktien. Erst im zweiten Schritt machte er sich nähere Gedanken und strich diese Auswahl wieder zusammen.

„Ich drehe 100 Steine um und finde vielleicht 10 Ideen. Wer die meisten Steine umdreht, der gewinnt das Spiel.“

Lynch spottet über Gesamtmarktanalysen, für ihn ist Dreh- und Angelpunkt seiner Investmententscheidung das einzelne Unternehmen. Immer wieder sucht er kleine Unternehmen, mit denen er große Renditen erzielen kann. Hat er ein Unternehmen mit 200, 300 oder 500% Gewinn, gleicht das den Verlust vieler seiner anderen Investments aus.

Wer eine Investmentidee hat, die nicht funktioniert, sollte nach seiner Auffassung schnell wieder verkaufen.

Lynch richtet sich nicht nach der Regel: Kaufe niedrig und verkaufe hoch – im Gegenteil, er hat keinerlei Angst gute Aktien auch zu sehr hohen Kursen zu erwerben. Umgekehrt ist für ihn eine Aktie, die stark gefallen ist, lange noch keine Kaufposition, denn nicht alle Aktien, die fallen, steigen auch wieder.

Ähnlich wie Waren Buffett kauft Lynch nur wenige Technologieunternehmen, da er glaubt, deren Geschäft nicht zu verstehen. Von vermeintlichen Geheimtipps oder Turnaround-Aktien hält Lynch wenig.