
Portait: Warren E. Buffett
Der großväterliche, freundliche Milliardär
Warren Buffett ist der Großmeister aller Investoren. Während sein Lehrer Benjamin Graham eine sehr wechselhafte Geschichte hinter sich hatte, ist Buffett ein Musterbeispiel an Kontinuität.
Er lebt in Omaha, Nebraska, im „tiefsten Amerika“ als zigfacher Dollarmilliardär noch in dem selben Haus, das er in den 1950er-Jahren für 31.500 $ gekauft hat. Warren Buffett fährt sein einfaches Auto, trinkt Coca-Cola (wo er Hauptinvestor ist) und pflegt auch sonst den einfachen American Way of Life.
Warren Buffett, der großväterlich-freundliche Milliardär mit den buschigen Augenbrauen, ist der wohl erfolgreichste Investor aller Zeiten. Sein riesiges Vermögen hat jedoch seinen Lebensstil kaum verändert.
In der technisierten Welt von heute arbeitet er auch heute noch ganz ohne Computer. Er liest viel, vor allem Zeitungen und Geschäftsberichte.
Eine Erfolgsgeschichte: Coca-Cola, Golfbälle und Flipperautomaten
Schon als Sechsjähriger begann er, mit allerlei Dingen zu handeln. Er kaufte für 25 Cents ein Sixpack Coca-Cola und verkaufte sie für 5 Cents je Flasche weiter. Diese 20% Gewinn strebte er auch in seiner weiteren geschäftlichen Karriere an. Später sollte seine Investment-Gesellschaft einen Anteil von etwa 8 % an Coca-Cola halten.
Als Achtjähriger verschlang er Bücher über die Börse, schon mit 11 Jahren jobbte er bei dem Broker Harris Upham in Omaha.
„Ich las Millionen von Wörtern über dieses Thema, und sie waren im Grunde Mumbo Jumbo, Hokospokus.“
Mit 11 Jahren kaufte er seine ersten Aktien.
Als Teenager ließ er von Klassenkameraden außerhalb der Golfplätze verirrte Bälle einsammeln, um sie danach an Golfer zurück zu verkaufen. Später gab er kurzzeitig eine Zeitschrift für Pferdewetten heraus, trug Zeitungen aus und betrieb Flipperautomaten.
The Intelligent Investor – Der Stein der Weisen
Den Stein des Weisen entdeckte Buffett später als Student bei seinem Professor Benjamin Graham, der es zuvor an der Wall Street zu gewisser Bekanntheit gebracht hatte.
Graham, der an der New Yorker Columbia University lehrte, hatte eine neue Investmenttheorie entwickelt. Dem Modell zufolge verfügen Aktien über einen „inneren“ Wert, der unabhängig vom gerade an der Börse notierten Kurs ist.
Anders als der Tageskurs eines Unternehmens, definiert sich der „innere Wert“ aus Kennziffern wie Umsatz, Wert der Anlagen und dem Cashflow. Die Kunst der Investition bestehe nun darin, Aktien zu finden, die unter ihrem inneren Wert gehandelt werden, schrieb Graham 1949 in seinem Buch „The Intelligent Investor“. Graham gilt als der Urvater aller Value-Investoren.
Erst, als er nach seinem ersten Studienabschluss auf „The Intelligent Investor“ von Benjamin Graham stieß, hatte er seinen Value-Ansatz gefunden.
1950 ging er nach New York, um an der Columbia University bei Benjamin Graham seinen Master of Business Administration zu erwerben. 1952 heiratete Buffett in Omaha und begann als Value-Analyst in Grahams Investmentfirma.
Buffett Partnership Ltd.
1956 gründete er seine erste Investmentgesellschaft, die Buffett Partnership Ltd., eine Gesellschaft mit vier Familienmitgliedern und drei Freunden, die gemeinsam 105.000 $ aufbrachten. Buffett legte 100 $ hinzu und so begann die Partnership mit genau 105.100 $. Einzige Bedingung war: Er musste keinerlei fortlaufende Rechenschaft darüber abgeben, wie das Geld angelegt wird. Lediglich einmal im Jahr gab er Auskunft – an diesem Prozedere hat sich bis heute nichts geändert. Als Buffett die Partnership 1969 auflöste, war sie 105 Mio $ wert.
1962 begann Buffett Berkshire-Hathaway-Aktien für die Buffett Partnership zu kaufen.
1965 übernahm er die Kontrolle über Berkshire, als die Gesellschaft einen Marktwert von ungefähr 18 Mio $ hatte. Er begann die ehemalige Textilfabrik zu einer Investment-Holding umzubauen.
Berkshire Hathaway
Schon während Buffett von 1956 bis 1969 seine Investmentfirma Buffett Partnership führte, begann er in die marode Textilfirma Berkshire Hathaway zu investieren, 1965 übernahm er die restlichen Anteile. Berkshire Hathaway wurde nun zur Kernzelle eines Imperiums: 1967 kaufte Buffett zwei Versicherungen, später den sechstgrößten amerikanischen Autoversicherer Geico.
Bis heute hat das Unternehmen rund 80 Firmen übernommen oder große Beteiligungen an ihnen erworben. Zu der Holding gehören u. a. 11% des Kreditkartenunternehmens American Express, 8% von Coca-Cola, 8,5% des Rasierklingenherstellers Gillette, 17% der Washington Post Company sowie Beteiligungen an Wells Fargo und Walt Disney.
Zweites Standbein neben den großen Kapitalbeteiligungen sind Übernahmen von mittelständischen Unternehmen. Die Zeitung „Buffalo News“ gehört zu Buffetts Imperium ebenso wie ein Süßigkeitenhersteller, mehrere Möbelhäuser, die Schuhfirma Dexter, der Schmuck und Diamantenhändler Borsheim’s, Anteile am Flugzeugvermieter Executive Jet sowie 49% am Baseball-Team „The Omaha Golden Spikes“.
1998 übernahm Berkshire Hathaway für 22 Mrd $ General Re, den viertgrößten Rückversicherer der Welt, zu dem auch die Kölnische Rückversicherung gehört. Zuvor hatte Buffett ca. 20% der weltweiten Silberproduktion – rund 4.000 Tonnen – gekauft und damit den Preis für das Metall kurzfristig in die Höhe getrieben. Insgesamt beschäftigen Buffetts Beteiligungsunternehmen rund 45.000 Mitarbeiter. In der Zentrale in Omaha arbeiten aber lediglich 12 Personen.
Der Anteil von Warren Buffett am Unternehmen beträgt ca. 40%. Sämtliche Entscheidungen über Aktienkäufe und Unternehmenserwerbungen werden von Buffett selbst getroffen – in Abstimmung mit seinem Stellvertreter, dem 7 Jahre älteren Charles Munger.
Heute ist Berkshire über 150.000 Mio. € wert. Mit seinem Anteil von 40% ist Buffett der reichste Mensch der Welt. Dies erreichte er, obwohl er nie ein Produkt erfunden oder hergestellt hat. Sein Erfolg beruht allein auf seinen ausgesuchten Investitionen in Aktien nach dem Wert-Ansatz.
Mit einem Preis pro Aktie von rund 100.000 $ ist die Notierung von Berkshire Hathaway derzeit das teuerste Wertpapier an der Wall Street.
Vermögen mit Aktien
Warren Buffett hat auch viele andere Menschen reich gemacht.
Wer 1956 für 7,50 $ eine Aktie des Unternehmens kaufte, ist heute ein reicher Mensch. Einmal im Jahr hält sein Unternehmen, Berkshire Hathaway, eine Hauptversammlung in Omaha ab, die mittlerweile volksfestartige Züge angenommen hat. Die Provinzstadt am Missouri wird dann für drei Tage zum „Woodstock für Kapitalisten“.
Anders jedoch als bei dem legendären Rockfestival bekommen die Pilger keine Musik zu hören, sondern Weisheiten von unterschiedlicher Qualität:
„Man muss nichts über Zinsen wissen, um viel Geld zu verdienen“, oder „Was das Jahr-2000-Problem für die Wall Street bedeutet? Keine Ahnung, aber es war vorhersehbar, zumindest seit 1985.“ „An welcher Firma wir in Japan interessiert waren? Ihr Name fängt mit einem Buchstaben zwischen A und Z an.“
Die Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway sind anders als alle anderen Hauptversammlungen. Der offizielle Teil dauert nur wenige Minuten. „Irgendwelche Fragen?“ – gibt Warren Buffett zu Protokoll.
Es schließt sich eine sechsstündige Fragestunde mit Warren Buffett, dem „Orakel von Omaha“ an. Buffett beantwortet geduldig die Fragen.
Die Versammlung in Omaha ist eine Mischung aus Ernsthaftigkeit und Slapstick. Im Rampenlicht der Scheinwerfer orakelt Warren Buffett über die Märkte, während Charlie Munger mit seinen dicken Brillengläsern regungslos verharrt und dann ein „dem habe ich nichts hinzuzufügen“ oder „besser könnte ich es nicht sagen“ von sich gibt.
100 $ heute sind 50.000 $ in 30 Jahren
Buffetts Geiz ist legendär. Für ihn sind 100 $ eben keine 100 $ heute, sondern 50.000 $ in 30 Jahren. Buffett hat den Effekt des Zinseszinses schon früh erkannt – in einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche anderen Dingen nachgehen. Buffett ist ausschließlich durch solide Value-Investments zum reichsten Menschen der Welt geworden.
Das faszinierende an Buffetts Erfolgsgeschichte ist, dass alles öffentlich geschieht. Seine Transaktionen werden in seinen Geschäftsberichten von ihm persönlich kommentiert und erklärt. Jeder Investor kann das Vorgehen von Buffett genau verfolgen und studieren. In seinen legendären „Briefen an die Aktionäre“, bekommt der studierende die wesentlichen Dinge seines Value-Investmentstil vermittelt.
Buffett glaubt, dass man in seinem gesamten Leben nur die Aktien von zehn 10 bis 12 guten Unternehmen kaufen und diese liegen lassen muss. Er ist ein Gegner der zu großen Diversifikation, denn wenn man zu viele Aktien in seinem Portfolio hat, kann man die einzelnen Unternehmen nicht mehr genau genug verfolgen.

